Richten und Kritisieren in zorniger Demut vor dem Hintergrund des zweiten (usus elenchticus) und dritten Gebrauches des Gesetzes (tertius usus legis)

Die Überlegungen des Materials bieten einen Versuch, beide Äußerungen Jesu miteinander zu verbinden – auch vor dem Hintergrund des Umgangs der Reformatoren mit solchen Geboten als Aussagen des Gesetzes. Dabei spielen sowohl Zorn (Mk 3,1-6), als auch Demut eine Rolle (Lk 18,13f.), etwa zu eigenem Versagen zu stehen und es anzusprechen (Mt 5,23f.).  

Kesslers Position zum Mitleiden Gottes angesichts der Theodizeefrage

Ausgehend von einer unbedingten Anerkenntnis der Berechtigung der Theodizeefrage und der Forderung nach einer Differenzierung des Gedankens vom Mitleiden Gottes entfaltet Kessler seine Position: Gott beschränke seine Allmacht temporär für die Weltzeit zugunsten der Freiheit seiner Geschöpfe und der Eigengesetzlichkeit der Schöpfung. Dies habe eben Leid zur Folge. Aber Gott sehe nicht tatenlos in seinem […]